Berufungen zurückgezogen: Marktcafé bleibt auf dem kleinen Markt

Hier steht das Marktcafé noch auf dem Lieblingsplatz. Künftig wird es weiter auf dem kleinen Markt aufgebaut.

Schwerte. Der Marktstreit in Schwerte ist schon fast legendär. In erbitterten Rechtsstreitigkeiten versuchen die Inhaberin des Marktcafés, Eva-Maria Plauk, und die Betreiberin des Marktes, die Markthandel GmbH Schwerte, ihre Interessen durchzufechten. Am Freitag zog Plauk jedoch ihre Berufung gegen eine einstweilige Verfügung zurück. Und auch die GmbH machte einen Rückzieher – sie hatte ebenfalls Berufung gegen das Urteil des Amtsgerichts Schwerte eingelegt.

Es ist ein Streit mit vielen unterschiedlichen Facetten. In der zivilen Rechtsstreitigkeit vor dem Hagener Landgericht ging es diesmal um die einstweilige Verfügung vom Januar, die Eva-Maria Plauk verbat, ihren Stand dort aufzustellen, wo sie wollte. Plauk betreibt schon seit Jahren das Marktcafé. Und sie möchte ihren Stand wie alle Händler an einem möglichst „guten“ Platz sehen. Zu diesem Zweck stellte sie Anträge bei der Marktbetreiberin. Frank Rest, Marktmeister und Vertreter der Markthandel Schwerte GmbH, hat ihr jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht und sie mit ihrem Stand auf den Kleinen Markt verwiesen. Ein Ort, den Plauk als unzumutbar empfindet. Dort befinden sich in unmittelbarer Nähe ein Müllcontainer und ein Parkplatz. Von Gemütlichkeit keine Spur. Also zog sie im Winter an mehreren Markttagen um und okkupierte einen Platz auf dem großen Markt – gegen den Willen der Markthandel Schwerte GmbH.

Die Geschichte ging vor das Amtsgericht Schwerte, wo gegen Plauk eine einstweilige Verfügung ausgesprochen wurde. Sie durfte sich nicht auf den von ihr gewünschten Platz stellen. Unter anderem ging es auch darum, dass sie dort einen wichtigen Zufahrtsweg für die Feuerwehr zustellte. Wie zu erwarten, wehrte sie sich gegen die Entscheidung und legte Berufung gegen das Urteil ein.

Aber auch die Gegenseite, die Markthandel Schwerte GmbH, war nicht zufrieden. Sie stellte ebenfalls den Berufungsantrag mit dem Ziel, dass die zivile Berufungskammer des Landgerichts Hagen ihr Recht bestätigt, Plätze auf dem begehrten Schwerter Markt so zuzuweisen, wie sie es für richtig hält und wenn nötig auch für jeden Markttag neu. In Hagen machte Rest noch einmal deutlich, dass die begehrten Plätze seit Jahren fest vergeben seien. Er behielt sich vor, Plätze auch kurzfristig zuzuweisen, wenn ein Händler mal ausfällt. „Das ist jetzt jahrzehntelang gutgegangen. So ist das auf dem Markt“, sagte Rest während der Verhandlung.

Die Hagener Berufungskammer deckte im Verfahren auf, wo der Haken der Marktregelung liegt: Es gibt keinerlei schriftliche Verträge zwischen Händlern und der GmbH. Die Platzvergabe geschah mehr oder weniger durch mündliche Zusagen und per Handschlag, wie es vor vielen Jahrhunderten gang und gäbe war. Rest hielt dagegen, dass er nicht mit jedem Händler gesonderte Verträge machen könne. Die Kammer stellte auch fest, dass Plauk mit ihrem Verhalten gegen die Rechte der Marktbetreiberin verstoßen hatte. Aber ebenso befürchteten die Richter, dass die Händlerin nun willkürlich mal diesen, mal jenen Platz zugewiesen bekommen könnte.

Als das Gericht deutlich machte, dass die Berufungen keine Aussicht auf Erfolg hatten, zogen beide Parteien nach kurzen Beratungen mit ihren Anwälten zurück. Ob der Streit nun beigelegt ist, bleibt ungewiss.

 

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