Kultureller Jahresempfang: Bürgerschaftliches Engagement als „Markenkern dieser Stadt“

Schwerte. Modern mit Tradition: Der An- und Umbau in Schwertes guter Stube verbindet behutsam Gegenwart und Geschichte. Ein Zentrum mit Zukunft. Den Nagel auf den Kopf traf also Kirchmeister Ulrich Halbach am Sonntag beim 3. Kulturellen Jahresempfang im neuen Gemeindezentrum St. Viktor: „In der Mitte unserer Stadt ist ein Beispiel gelungener Baukultur entstanden, das seinesgleichen sucht und um das uns viele Besucher aus anderen Gemeinden sehr beneiden.“

Abzulesen sei das allein schon daran, dass seit Eröffnung der neuen Räume vor gerade einmal vier Monaten das Haus „einen Ansturm von Nachfragen“ erfahre von „allen möglichen Gruppen und Vereinigungen, die unsere Räume für ihre Zwecke nutzen möchten.“ Und in der Tat stelle die Gemeinde ihr Haus „vorzugsweise bürgerschaftlich engagierten Gruppen“ zur Verfügung, so zum Beispiel dem Arbeitskreis Asyl oder der Gruppe ‚Engagierte Stadt auf dem Weg zur Bürgerkommune‘.“ Hier tagten nicht nur Konfirmanden oder Ausschüsse, hier sei auch der Ort der regelmäßigen offenen Jugendarbeit, „die nicht nach Konfession oder Herkunft fragt.“ Und hier finde auch das Flüchtlingscafe „Nice to meet you“ statt. Halbach wörtlich: Hier in Schwertes guter Stube wird ein Stück konkreter Willkommenskultur gepflegt.“

Roland Preuß, Vorsitzender des Presbyteriums, begrüßte die Gäste im neuen Gemeindehaus.

St. Viktor als Herz der Gemeinde

Das Herz der Gemeinde aber bleibe die fast 1000 Jahre alte St. Viktorkirche, die nach nahezu zweijähriger Bauzeit nun wieder im alten Glanz erstrahle. Ulrich Halbach: „Sie lässt deutlich erkennen, dass an dieser Stelle die kulturhistorisch und kunstgeschichtlich wichtigsten Zeugnisse unserer Stadt eine Heimat haben.“ Einen guten Einblick dazu gebe der neue handliche Kirchenführer, der die wichtigsten Orte und Exponate der mittelalterlichen Kirche vorstelle und geradezu dazu einlade, in der Kirche zu verweilen und sich mit ihr vertraut zu machen.

Altar wartet auf seine Restaurierung

In seiner Rede vor der großen Gästeschar warf der Kirchmeister einen weiteren, vielversprechenden Blick in die Zukunft: Wenn die Deutsche Stiftung für Denkmalschutz und Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur, die Schwerter Förderanträge positiv bescheiden, dann sollen noch in diesem Jahr die Restaurierungsarbeiten an Schwertes größtem Schatz, dem 500 Jahre alten Antwerpener Altar aufgenommen werden. Ebenfalls noch in diesem Jahr soll für St. Viktor eine „Projektpfarrstelle für Stadtkirchenarbeit“ ausgeschrieben werden, eine Stelle, die sich „weiter der Bürgergemeinde hin öffnet und stärker als bisher die ‚Stadtkultur‘ mitgestaltet“, wie Halbach betonte. Zudem lud der Kirchmeister für kommenden Donnerstag, 3. März, um 16 Uhr in die St. Viktorkirche ein. Dann nämlich wollen sich die drei Kandidatinnen für die ausgeschriebene A-Kirchenmusikerstelle (Nachfolge von Kantor Irmscher) mit einem mehrteiligen musikalischen Programm der Gemeinde und der Stadtkantorei vorstellen.

Kooperationspartner im Verband der Kulturträger

Um die Arbeit der Konzertgesellschaft und des Ruhrstadtorchesters zu unterstützen, habe sich das Presbyterium entschlossen, auf die üblichen Nutzungsgebühren bei Kirchenkonzerten zu verzichten, zeigte der Kirchmeister weiter auf. Halbach: „Wir verstehen uns als wichtiger Kooperationspartner im Verband der Kulturträger unserer Stadt.“

In diese Richtung ging auch Dr. Christine Mast, Chefin im KuWeBe (Kultur- und Weiterbildungsbetriebe) und zitierte den Propheten Jeremia, Kap. 29, „Suchet der Stadt Bestes“: Das neue Zentrum solle Begegnungsort, Erlebnisort und Lernort für alle Schwerter und Touristen sein. Städtebaulich werde hier ein Signal gesetzt, „dass diese Stadt in ihrem Stolz und Selbstbewusstsein weiter geführt wird.“ Hier werden, zeigte sich Christine Mast überzeugt, „viele Vereine ihren Ort finden, das alles wird auch seine überregionale Wirkung nicht verfehlen.“ Man werde auch von außen auf diese Kommune blicken, „dessen bürgerschaftliches Engagement den Markenkern dieser Stadt ausmacht.“

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