Talk am Turm: Frieden in Syrien mit der Bundeswehr?

Diskutierten in Schwerte: Sigrid Reihs, Oliver Kaczmarek, Renke Brahms und Gisela Manderla (v.l.). Foto: Andrea Reinecke

Schwerte. Ein strahlender Sommertag mit einem reichen kulturellen und sportlichen Angebot in der Ruhrstadt, dazu noch Abiball und Sommerfeste - hat da eine Diskussionsrunde eine Chance? Ja. Denn am Freitagabend nahmen rund 50 Menschen das Angebot der Evangelischen Kirchengemeinde Schwerte zum Talk am Turm an. Sie belebten die Veranstaltung mit vielen Einwürfen und Fragen. Die Fragestellung war gleichsam drängend wie schwierig: „Kann man Frieden schaffen mit der Bundeswehr in Syrien?“

Gleich zu Beginn erläuterte Pfarrer Renke Brahms, Friedensbeauftragter der evangelischen Kirche Deutschland aus Bremen, den Boden auf dem er steht. Die Denkschrift „Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen“ beschreibt er als ein Konsenspapier, erwartet kritische Solidarität und verweist auf die verantwortungsvolle und alltagsbezogene Handlungsweise aller Beteiligten. Nicht Ultima Ratio ist für ihn umsetzbar, sondern die Prima Ratio - Einigkeit in weiten Teilen bei beiden politischen Vertretern, den Bundestagsabgeordneten Gisela Manderla (CDU) und Oliver Kaczmarek (SPD). Manderla sitzt im Verteidigungsausschuss des Bundestags. Die Politik hatte im Dezember für einen Einsatz gestimmt. Manderla und Kaczmarek dokumentierten sehr eindringlich und klar ihre Entscheidungsfindung. Das ist gelebte Demokratie zum Anfassen und Nachvollziehen.

Die Probleme in der Welt führen nicht nur hier auf dem Podium zu einer Überwindung von konfessionellen Grenzen und bindet „Menschen, die guten Willens sind“, sondern lässt auch die politischen Unterscheidungen verschwimmen. Manderla verweist auf die Aufstockung des Etats, Kacmarek auf die Schwerpunktlegung von Bildung in den Krisengebieten vor Ort und Brahms wünscht sich einen Entwicklungshaushalt, der an den Wehretat  angeglichen wird.

Es war ein Abend, der durch den direkten Austausch mit dem Publikum und durch die klare Formulierung geprägt ist. Wichtig, ausbaufähig und ein Forum für Themen, die bis in den Alltag der Stadt hineinragen. Und wer weiß, wenn jetzt auch noch die Generation 20plus ihre Vorstellungen mit einwirft und sich zu gesellschaftspolitischen Themen äußert, könnte noch mehr Schwung aufkommen und das Format Talk am Turm weiter beleben.

 

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