Überfall auf Videothek: „Das war auf jeden Fall so richtig scheiße“

Schwerte. Der Überfall auf eine Videothek Im Bohlgarten beschäftigte am Montag das Jugendschöffengericht in Hagen. Es erschien ein junger Mann, gerade mal 21 Jahre alt, der als Mitläufer bei dem Überfall galt, bei dem eine Frau letzten September vom Haupttäter mit einer Pistole bedroht wurde. Seine Begründung, warum er mitging, klang abenteuerlich.

Der außergewöhnlich zierliche und dabei schüchtern wirkende Mann gab sofort zu, dabei gewesen zu sein. „Ich geb’s ja zu, dass ich dabei war. Er zog mich quasi zu der Videothek. “ Das war am 12. September vergangenen Jahres. Und es war ein Tag, den die 27-jährige Mitarbeiterin der Videothek so schnell nicht vergessen kann, auch wenn sich der Angeklagte bei ihr entschuldigt hat. Zwei Männer kamen abends in die Geschäftsräume. Sie hatten sich mit ihrer Kleidung etwas vermummt, so dass sie sie nicht sofort erkennen konnte. „Der Kleinere stellte sich an die Theke. Der Größere hatte eine Pistole und wollte Geld“, erinnerte sich die junge Frau im Zeugenstand, die immer noch sehr unter dem Eindruck des Ereignisses stand. Als der Räuber die Pistole kaum einen halben Meter entfernt von ihr auf ihren Kopf richtete, durchlitt die Frau Todesängste. „Als ich das realisierte, war das kein Spaß mehr. Ich dachte, ich werde gleich erschossen!“ Der Haupttäter nahm 450 Euro Beute aus der Kasse an sich.

Jugendstrafe auf Bewährung

Den Kleineren, der nun als Angeklagter vor Gericht saß, bezeichnete sie als Mitläufer, der in der Ecke herumgestanden habe. Auch der junge Mann betonte in seiner Einlassung, er sei nur mitgekommen. Und zwar aus einem einzigen Grund: „Er hatte meine Gaspistole genommen, spielte damit herum. Er sagte, ich würde sie nur wiederbekommen, wenn ich mitmache. Ich wollte nur meine Waffe zurück. Die war nämlich ein Geschenk.“ Dass er zur Polizei hätte gehen können, fiel ihm nicht ein und auch nicht, dass nun eine Frau seinetwegen abends und auf der Arbeit oftmals immer noch Angst hat. Die Staatsanwältin betonte das in ihrem Plädoyer: „Die Frau ist seit einem Dreivierteljahr damit beschäftigt, damit klarzukommen, dass zwei junge Männer mal eben in die Videothek rein sind, um 450 Euro zu erbeuten!“ Dazu meinte der Angeklagte kleinlaut: „Das war auf jeden Fall so richtig scheiße!“

Das Gericht sah bei dem 21-Jährigen eine Reifeverzögerung. Und er hatte Glück, dass das Gericht ihn so beurteilte, denn er hat schon Vorstrafen, eine davon wegen Diebstahls mit einer Waffe. Des Weiteren rettete ihn, dass er mittlerweile eine Arbeitsstelle angetreten und offenbar ein geregeltes Leben begonnen hat. So verurteilte ihn das Gericht nur zu eineinhalb Jahren Jugendstrafe auf Bewährung für eine Tat, für die ein Erwachsener mit seiner Vorgeschichte mindestens drei Jahre aufgebrummt bekommen hätte.

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